
Die Kunst der Philia
- Adriana E. Feller

- 17. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Die Zeit formt den Menschen und somit auch Freundschaften.
Es werden Häuser gebaut, Zelte aufgeschlagen, Studien abgeschlossen und neue Ausbildungen gestartet, Kredite aufgenommen, Investitionen getätigt und jeder Rappen umgedreht, manche gehen reisen und andere bekommen Kinder.
Werte verankern sich, werden über Bord geworfen oder anders gelebt, neu interpretiert und verstärkt.
Die Lebensrealitäten verschieben sich und die Erkenntnis, dass es nicht mehr ist, wie es einst war, kann schmerzen. Es ist ein Abschied von dem, was war und ein Begrüssen des Neuen. Diesen Wandel zu vollbringen, benötigt den Willen beiderseits. Das ist herausfordernd.
Es erfordert Akzeptanz, dass es sich ändert.
Mut, sich dem Wandel hinzugeben.
Verständnis, für die neu entstandenen Lebensrealitäten.
Liebe, für die Person und das Miteinandersein.
Und dabei ist es ein Balanceakt zwischen bei sich bleiben, nicht egoistisch sein, zu geben und gleichzeitig die eigenen Grenzen zu wahren.
Es ist ein Spagat der Anpassung und Abgrenzung.
Und so traurig es ist, nicht allen gelingt diese Veränderung.
Es ist ein immer wieder in sich hineinfühlen:
„Wie fühle ich mich, wenn ich mit dieser Person bin?“
„Wie geht es mir, wenn ich nach einem Treffen nach Hause komme?“
Manche Freundschaften verändern sich und verabschieden sich ganz leise, ohne dass wir es bemerken. Plötzlich sind sie einfach nicht mehr da. Und das entspricht dem natürlichen Fluss des Lebens. Was nicht bedeutet, dass sie nicht wichtig waren. Im Gegenteil. Sie hinterlassen eine kostbare Erinnerung der gemeinsamen Zeit. Und manche gehen, deren Abschied schwer fällt, doch rückblickend notwendig war. Andere hingegen enden in einem Ringen zwischen festhalten und loslassen.
Umso schöner, wenn etwas bleibt, was schon immer war und sich dem Rhythmus des Wandels hingibt. Dabei geht es nicht darum, sich zu beweisen, sich anzustrengen oder zu verbiegen.
Die Freundschaften, die die Kunst beherrschen, sind die, die sich leicht anfühlen. Es sind die Freundschaften, die dir zuhören, präsent sind, dich halten, dir Raum schenken und dich fliegen lassen.
Es sind die, mit denen du still sein kannst, wenn dir danach ist, mit denen du herumalbern und lachen kannst, erfüllende Gespräche führen und sinnfreie Gedanken teilen kannst. Es sind die, die weiterwachsen, vielleicht nicht immer in dieselbe Richtung, doch gemeinsam. Es sind die Freundschaften, die dich sehen und dich lieben für das, was du bist.
Die Kunst der Philia ist, vereint zu sein und sich selbst zu bleiben.



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